Wer von Süden in unser langes Dorf fährt, sieht bei den Kirchenschildern die lila Lutheraner oben. Wer von Norden nach Neudorf-Platendorf kommt, sieht die grünen Baptisten oben. Das habe ich nicht gleich, aber bald nach meinem Dienstantritt im Moordorf wahrgenommen, und es hat mir sehr gefallen. Drückt es doch die Beziehung der beiden Kirchen im Dorf auf Augenhöhe aus. „In Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst“ schrieb der Apostel Paulus den Philippern ins Stammbuch (2,3). Die wechselnden Kirchen-Hinweisschilder drücken genau das aus. Jeder darf mal oben sein, also höher.

Die Bibelstelle bei Paulus führt dann noch etwas an, was wir zurzeit im Dorf als Kirchengemeinden praktizieren: „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“ Ganz praktisch bedeutet das, dass wir im 1. Quartal, also in der Heizperiode, jede Woche uns mit allen Veranstaltungen in nur einem Haus treffen. Wegen der höheren Energieeffizienz ist es das Gemeindehaus der Freikirche. Dazu gehört auch, dass wir abwechselnd sonntags einen lutherischen und dann wieder einen baptistischen Gottesdienst feiern, mit allem Drum und Dran.

Ich finde dieses Modell sehr wichtig. Zeigt es doch, dass wir gemeinsam unterwegs sind, auch und gerade in Glaubensdingen. Und wir machen deutlich, dass wir Energie sparen, aber gleichzeitig verschwenderisch in die „innere Energie“ investieren. Der spirituelle Synergieeffekt belebt beide Gemeinden.

Peter Dobutowitsch, Pastor i.R.

Peter Dobutowisch