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Alle Achtung

Das kann ich mir kaum vorstellen, Corona-Zeiten in Familie. Die Kinder zu Hause. Selbst berufstätig, jetzt vielleicht im Homeoffice. Dazu Unterricht zu Hause. Täglich ein Mittagessen auf den Tisch, das den Ansprüchen der Familie genügt. Und jeder Tag hat nur 24 Stunden. Alle hängen zusammen, man reibt sich aneinander, Rückzug (fast) unmöglich. Fremdbestimmt.
Also, ich finde: Corona ist ein Stresstest für Familien. Ganz sicher. Wie habt ihr es nur geschafft, nicht durchzudrehen? Alle Achtung!
Und wie es ist als Single in Corona-Zeiten? Das Leben ist sonst auch anders, aber unter Corona-Einschränkungen ist es wie unter einem Brennglas, noch mehr ganz anders. Keine herzerwärmende Umarmung. Da ist niemand zu Hause, außer ich selbst. Der Extremfall: Homeoffice. Kein Mensch um mich herum, keine Begegnung in echt, kein Lachen. Jede Mahlzeit allein. Kein Abend im Restaurant. Und an den Wochenenden? Gottesdienst im Internet. Die Augen werden eckig. Die Tage sind lang. Keine Wanderung in der gewohnten Truppe, keine Chance auf ein Wir-Gefühl für den Moment, keine herzerwärmende Umarmung. Und was, wenn ich krank würde? Quarantäne ohne menschliche Nähe, ohne Zuwendung, ohne Einkäufe. Naja, ein paar Freunde sind da. Wie gut! Aber wir dürfen uns nicht nahekommen. Die Wissenschaft sagt: Jeder Mensch braucht täglich 16 bedeutsame Berührungen. In Familien kein Problem. Für Alleinlebende immer. In Corona-Zeiten noch viel mehr. Keine Umarmung. Über Wochen, über Monate – nichts!

Lasst uns einander Respekt zollen Es geht mir nicht um Mitleid. Oh, nein! Wir haben alle unsere Herausforderungen zu bewältigen. Aber eben sehr verschiedene. Und das wird jetzt noch deutlicher als sonst, finde ich. Jetzt hätten wir die Chance, einander zu fragen: Wie war es für dich? Wie habt ihr es geschafft? Wir brauchen einander nicht zu bemitleiden, sondern können einander Respekt zollen, wie wir mit den Herausforderungen gerungen haben und was wir dabei entdeckt haben. Und dabei könnten wir dann bleiben – auch nach Corona-Zeiten.

Astrid Eichler

lebt bei Berlin, ist Single, Pastorin, Referentin, Autorin und arbeitet für das Netzwerk christlicher Singles „Solo&Co“ (soloundco.net). Für idea schreibt sie regelmäßig über Alleinstehende.

Quelle: idea Spektrum 22.2020

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